Maschinenfabrik Cham

Die Maschinenfabrik Cham wurde vom Bauernverband und Bankverein gegründet. Sie stellte in Cham auf dem Gelände der ehemaligen Milchsüdi Milch- und Industrie-Zentrifugen her, auch «Kraftseparatoren» genannt.
Chronologie
1927 Die milchwirtschaftliche Beratungsstelle des Schweizer Bauernverbands SBV in Brugg AG stellt fest, dass die Schweizer Bauern ihre Milch-Zentrifugen aus Deutschland und Schweden beziehen. So kommt es am 24. Mai zur Gründung der Maschinenfabrik Cham. [1] Die Statuten werden festgelegt.
Am 5. Juli wird die Firma ins Handelsregister eingetragen. Das Grundkapital beträgt 500'000 Franken, aufgeteilt in 500 Inhaberaktien. [2] Einer der Hauptaktionäre ist der Schweizerische Bankverein. Dessen Generaldirektor hatte als einst als Knabe auf einem Bauernhof mitgeholfen und die Landwirtschaft im Emmental so kennengelernt. [3] Im ersten Verwaltungsrat sitzen Hugo Lüthy, Rechtsanwalt aus Brugg AG, Robert Naville (1884–1970), der Direktor der Papierfabrik Cham, sowie Karl (auch Carl) Rudolf Egg (1874–1937), Direktor der Maschinenfabrik. [4] Karl Rudolf Egg zog mit seiner Familie von Hannover D nach Cham. In Bern hatte er einst die Autofabrik mitgegründet, von 1919 bis 1927 hatte er die Zentrifugenfabrik Union in Hannover geleitet.
Die neue Unternehmung übernahm einen Teil der Nestlé-Werkstätten, [5] nachdem die Nestlé & Anglo-Swiss Condensed Milk Company 1923 ihre Werkstätten in Cham geschlossen und 20 Arbeiter entlassen hatte, [6] nämlich den Fabrikbau an der Knonauerstrasse. Dort stellen die Mitarbeiter der Maschinenfabrik Cham Zentrifugen für die Milchentrahmung, zur Ölreinigung, für Schlamm und Feinklärung etc. her, alle unter der Marke «Triumphator». Die Milch-Entrahmungs-Zentrifugen sind speziell für die schweizerischen Verhältnisse konstruiert. Die Schweizer Stiftung «Trieur» hat die Chamer Milchzentrifugen geprüft und als erstklassig empfohlen. [7]
Bereits im Jahr der Gründung übt der SMUV Kritik an der neuen Firma: «Die neue Firma, die einen Teil der eingegangenen Werkstätte der Nestlé übernommen hat, soll ein Bienenhaus im wahren Sinne des Wortes sein. Die Leute kommen und gehen. Schon gar mancher Berufsarbeiter ist hereingefallen, da er sich eben nicht vorher erkundigte. Schlosser, Mechaniker, Dreher usw. erhalten höchstens Fr. 1.05 Stundenlohn. Da die Lebensverhältnisse auch auf dem Platze Cham ziemlich teuer sind, ist es natürlich unmöglich, mit einem solchen Löhnchen auskommen zu können.» [8]
1930 Arbeiterschaft und Direktion der Maschinenfabrik geraten aneinander. Die Arbeiter wollen mehr Lohn, die Direktion zeigt sich «ruppig». [9]
1937 Nach dem Tod von Direktor Karl Egg [10] wird Ingenieur Paul Hubmann (1903–1973) sein Nachfolger. [11] Die Abteilung für Maschinenbau wird ausgebaut: Die Maschinenfabrik stellt auch Blutzentrifugen für Schlachthäuser und Metzgereien her, mit denen Blutplasma separiert werden kann. [12]
1944 Die Maschinenfabrik kauft Fabrikräumlichkeiten der Nestlé & Anglo-Swiss Condensed Milk Company. [13]
1948 Die Maschinenfabrik Cham erhöht ihr Aktienkapital auf 600'000 Franken. [14]
In den Verzinkereianlagen der Maschinenfabrik bricht am 28. Mai ein Brand aus, der einen grösseren Sachschaden verursacht. [15] Der Schaden beläuft sich auf 15'000 bis 20'000 Franken. Ein Lehrling hatte Abfallpapier in einen Ofen gestopft und angezündet und weiteres Abfallpapier vor dem Ofen liegengelassen. Über die Mittagszeit muss sich Gas entwickelt haben, so dass plötzlich der brennende Inhalt des Ofens hinausgeschleudert wurde und das vor dem Ofen liegende Papier In Brand steckte. [16]
1958 Die Maschinenfabrik stellt auch Maschinen und Werkzeuge für die «Nestlé & Anglo-Swiss» her. [17]
1970 Ein Teil der Gebäude der Maschinenfabrik Cham wird an die GAG (Gelenkkettenfabrik) vermietet.
1973 Alt Direktor Paul Hubmann stirbt im Alter von 70 Jahren. Er «spielte im gesellschaftlichen und politischen Leben eine grosse Rolle». [18]
1979 Grossbrand in der Maschinenfabrik Cham: Am späten Nachmittag des 24. Juni steht der ganze Gebäudekomplex in Brand. 190 Feuerwehrleute helfen mit, den Brand einzudämmen und schliesslich zu löschen. [19]
um 1988 Die Gebäude der Maschinenfabrik weichen der zweiten Ausbauetappe des Neudorf-Centers. Dazu wird die alte Fabrik gesprengt, was einen derartigen Knall auslöst, dass in der Umgebung Fensterscheiben zerspringen. [20]
2008 Die Firma wird aus dem Handelsregister des Kantons Zug gelöscht. [21]
Fotogalerie
Die Maschinenfabrik Cham in ihrer Blützezeit
Der Brand vom 24. Juni 1979
Die Feuerwehr Cham im Einsatz in der Maschinenfabrik
Sprengung des Gebäudes 1988
Einzelnachweise
- ↑ Zugersee-Zeitung, Festausgabe zur 1100-Jahr-Feier in Cham, 12./13.07.1958
- ↑ Schweizerisches Handelsamtsblatt (SHAB), Band 45 (1927), S. 1265
- ↑ Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 176
- ↑ Der Bund, 15.07.1927
- ↑ SMUV-Zeitung, 24.09.1927
- ↑ Arbeitsgruppe Geschichte Zug, Krise im Kanton Zug nichts Neues, Zug 1976, S. 36
- ↑ Zugersee-Zeitung, Festausgabe zur 1100-Jahr-Feier in Cham, 12./13.07.1958
- ↑ SMUV-Zeitung, 24.09.1927
- ↑ SMUV-Zeitung, 09.08.1930
- ↑ Zuger Kalender 1938, Chronik 18.02.1937
- ↑ Zuger Volksblatt, Beilage Elfhundert Jahre Cham 858–1958, 11.07.1958
- ↑ Koch, Hans / Nussberger, Paul, Beiträge zur Heimatgeschichte von Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Zollikon 1947, S. 203
- ↑ Zuger Volksblatt, Beilage Elfhundert Jahre Cham 858–1958, 11.07.1958
- ↑ Zuger Volksblatt, Beilage Elfhundert Jahre Cham 858–1958, 11.07.1958
- ↑ Zuger Neujahrsblatt 1950, Chronik 28.05.1948
- ↑ Zürcher Oberländer, 01.06.1948
- ↑ Zugersee-Zeitung, Festausgabe zur 1100-Jahr-Feier in Cham, 12./13.07.1958
- ↑ Zuger Neujahrsblatt 1974, Chronik 25.04.1973
- ↑ Steiner, Hermann, Wasser und Feuer. 100 Jahre Feuerwehr Cham 1888–1988, Cham 1988, S. 87f.
- ↑ Werder, Charly, Wer? der Charly, Familienchronik über drei Generationen mit angegliederter Biografie und illustren Kurzgeschichten zum Zeitgeschehen der vergangenen 170 Jahre, Cham 2017, S. 267
- ↑ Schweizerisches Handelsamtsblatt (SHAB), 126. Jhr., Nr. 47, 07.03.2008